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Plastische Malerei von Monika Otto

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Plastische Malerei von
Monika Otto

Bei der Verleihung des Bampi Preises an Monika Otto im Jahre 1990 war in der Begründung der Jury noch von ihrer zurückhaltenden Farbgebung die Rede, die sich der Formgestaltung unterordnet.
Verglichen mit den vor einem Dutzend Jahren präsentierten braun-ocker getönten Reliefs konfrontiert sie uns heute mit gänzlich unerwarteten, ungewöhnlichen Objekten, die aus einem ebenso plastischen wie malerischen Prozeß entsprungen sind. Kraftvoll angelegte Formungen und Färbungen bestimmen diese neueren Werke. Durch ihre spontan wirkende Vorgehensweise, die hinter bereits erprobte gestalterische Verfahren zurückgreift, drängt sich jetzt bei Monika Otto etwas Unterschwelliges, etwas Ungezähmtes nach vorne, das in dieser Entschiedenheit und Stärke unter den Plastiken ihrer Generation nicht anzutreffen ist.Tastsinn und Körpergefühl sind die Hauptfaktoren beim Entstehen ihrer plastischen Gebilde, orientiert an einfachen, skizzenhaften angelegten Gesten. Keramische Massen werden energisch in die grob vorgezeichneten Kurven gedrückt, rau belassen oder mit dem Spachtel glatt abgezogen, mit dem Messer beschnitten. Dieser Vorgang ist der Verdichtung und Erosion von Erdkrusten ähnlich, die gepresst, aufgerissen, ausgeschält oder geschliffen sind und bei denen Tonerde und Sand verschoben, Brocken und Geröll angelagert sind. Folglich kommen uns geologische Aufschlüsse zwar strukturiert vor, aber als formale Ergebnisse eher gestaltlos, und so geben sich auch die von Monika Otto gefertigten Stücke, nach dem ersten Brand und vor der Farbgebung, kaum als Figurationen. Sie bezeugen vielmehr den nachdrücklichen Umgang mit plastischen Massen. Dem körperlichen Einsatz entsprechend bleiben die Gebilde auf handliche Größen begrenzt und vor allem dem aus der Nähe abtastenden Blick zugetan.
In einem zweiten Gestaltungsschritt überzieht Otto diese plastische Faktur impulsiv mit einer malerischen Schicht. Dabei meidet sie jede Verteilung, bei der die Farben die Teilgrößen irgendwie gliedern und dabei ihren räumlichen Zusammenhang eindeutig bestimmen würden. Im Gegenteil, sie überspielt die Licht-Schatten-Wirkungen den modellierten Oberflächen durch die äußerst verschiedenen Eigenhellen der Farben zwischen Weiß und Schwarz, Gelb und Violett. Der Musterfall einer anti-plastischen Farbgebung ist überall dort zu finden, wo Flächen mit ihrem Richtungswechsel zugleich ihre Farben wechseln. Das geschieht an Kanten wie auch an Einschnitten und Aussparungen, die sich somit von ihren Basisplatten visuell trennen. Gleichfalls zur Schwächung des plastischen Trägers dienen starke Kontrastfarben in nebeneinander verlaufenden Rillen, die das vorhandene Relief für die Anschauung aufheben.Ein derartiger Wechsel vom plastischen Formverlauf zur malerischen Fassung widerspricht aller konstruktiven Logik. Ob beispielsweise die vielfach den größeren Teilen zugeordneten Akzente farbige und/oder plastische Marken sind, scheint gleichgültig. Dennoch resultiert der Zusammenhalt des Werkes aus der inneren Schlüssigkeit der plastischen und malerischen Handlungen, aus der einen Spontaneität und Vitalität nämlich des künstlerischen Sinnes. Vor unseren Augen entspinnt sich ein unwirkliches, ein "märchenhaftes" Spiel, hervorgerufen von fortlaufend sich ändernden oder sogar jäh umschlagenden Impulsen. Im Ineinander-Fallen, im Zusammen-Treffen von heterogenen Bewegungen schafft Monika Otto ganz eigenmächtige plastische Bilder, vielmehr als farbige Plastiken. Solche Objekte lassen sich nicht mehr in ihre Bestandteile oder in einzelne künstlerische Akte zerlegen; sie zeigen sich verschmolzen zu farbkräftigen, frei rhythmisierten Raumbildern.

 

17. August 2002
Hans Joachim Albrecht

 

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